Hakenlift erklärt: Abrollkipper vs. Absetzkipper, Fahrzeugklassen, Nutzlast, Container nach DIN 30722, Hersteller, Prüfpflicht und worauf es gebraucht ankommt.
Ein Abrollkipper ist der Universallkw der Entsorgung und des Baus: Statt einer festen Mulde trägt er ein Hakengerät, das genormte Abrollcontainer in wenigen Minuten aufnimmt, absetzt und kippt. Ein Fahrzeug, beliebig viele Behälter – deshalb sind Abrollkipper bei Entsorgern, Containerdiensten, Kommunen, Bauunternehmen und Recyclern Standard. Welche Systeme es gibt, wie viel sie tragen, worin sie sich vom Absetzkipper unterscheiden, wer sie baut und worauf beim Kauf und Verkauf gebrauchter Abrollkipper zu achten ist.
Ein Abrollkipper (Hakenlift, Abrollkipperfahrzeug, englisch hooklift) ist ein Lkw mit einem hydraulischen Hakengerät auf dem Fahrgestell. Der Haken greift in den Bügel an der Stirnseite eines Abrollcontainers, zieht ihn über Rollen auf den Fahrzeugrahmen und verriegelt ihn. Zum Abladen läuft der Vorgang umgekehrt: Der Container rollt über die Heckrollen auf den Boden. Kippen kann das Gerät ebenfalls – der Container wird wie eine Mulde nach hinten angehoben und entleert. Der Fahrer steuert alles aus der Kabine oder per Funkfernbedienung, ohne einen Fuß auf den Container zu setzen.
Die Behälter sind genormt: Abrollcontainer nach DIN 30722 mit einheitlicher Hakenhöhe von 1.570 mm (bei leichteren Fahrzeugen 1.320 oder 1.200 mm), Längen von 4,5 bis 7 m und Volumen von etwa 10 bis 40 m³. Dadurch passt jeder Normcontainer auf jedes Normfahrzeug – der Grund, warum ganze Branchen auf das System aufbauen.
Beide wechseln Behälter, aber unterschiedlich. Der Absetzkipper hebt Mulden (nach DIN 30720, meist 3 bis 10 m³) mit zwei seitlichen Teleskoparmen und Ketten über das Heck an und setzt sie ab; typisch für die klassische Baustellenmulde und den Sperrmüllcontainer, meist auf 2-Achsern bis 18 t. Der Abrollkipper zieht deutlich größere Container (10 bis 40 m³, bis 20 t Nutzlast und mehr) über Haken und Rollen längs auf den Rahmen und läuft überwiegend auf 3- und 4-Achsern. Faustregel: kleine Mulde, enge Straße, kurze Wege – Absetzkipper; großes Volumen, schwere Ladung, Kippfunktion, lange Strecken – Abrollkipper. Wie sich Kipper insgesamt unterscheiden, steht im Ratgeber Was ist ein Kipper?.
Das Hakengerät selbst wiegt 1,5 bis 3 t und geht von der Nutzlast ab; die verbindlichen Werte stehen in der Zulassungsbescheinigung Teil I (Feld F.1 minus Feld G). Die Hubkraft des Geräts muss zum Gesamtgewicht passen: Ein 20-t-Gerät auf einem 26-Tonner ist Standard, ein 14-t-Gerät wäre zu knapp für volle Schrottcontainer.
Der Hakenarm ist geknickt und schwenkt beim Aufnehmen ein, dadurch kürzere Baulänge und weniger Platzbedarf hinter dem Fahrzeug. Standard bei den meisten Geräten in Europa.
Der Hakenarm ist teleskopierbar und kann Container unterschiedlicher Länge aufnehmen; mit Verschiebung lässt sich der Container zum Kippen nach vorn ziehen und die Achslast optimieren. Häufig bei 3- und 4-Achsern mit wechselnden Containerlängen.
Knick- und Schiebefunktion in einem Gerät, dazu Optionen wie Innenverriegelung (automatische Verriegelung des Containers), Kippsperre, Bordwandbedienung, Wiegeeinrichtung, Zentralschmierung und Funkfernbedienung. Manche Geräte nehmen mit Adapter auch Absetzmulden auf.
Der Vorteil des Systems ist die Vielfalt der Behälter: offene Abrollcontainer für Bauschutt und Schrott, Container mit Deckel für Abfall, Pressen für Verpackungen, Abrollplattformen für Maschinen und Paletten, Abrollpritschen mit Kran, Tank- und Silocontainer, Streu- und Winterdienstaufbauten, Kranaufbauten und Wechselwerkstätten. Ein Kommunalfahrzeug fährt im Sommer die Grünschnittmulde, im Winter den Streuer – mit derselben Zugmaschine. Ähnlich flexibel arbeitet der Stückgutverkehr mit Wechselbrücken, allerdings mit Stützbeinen statt Haken.
Bei den Hakengeräten dominieren Meiller (Deutschland, Marktführer bei Kippern und Abrollkippern), Palfinger (Hakenlift-Serie, früher Palift), Hiab Multilift (Finnland), Hyva (Niederlande) und Marrel (Frankreich); daneben Gergen, Sträter und Meier-Ratio. Die Fahrgestelle kommen von Mercedes-Benz (Arocs, Actros, Atego), MAN (TGS, TGM), DAF (CF, XF), Scania (P, G), Volvo (FM, FMX), Renault (C, D) und Iveco (Eurocargo, S-Way). Gebraucht am gefragtesten sind 3- und 4-Achser mit Meiller-, Palfinger- oder Multilift-Gerät – wegen Ersatzteilversorgung und Bekanntheit im Export.
Abrollkipper gehören zu den wertstabilsten Lkw überhaupt: Die Nachfrage aus Entsorgung, Bau und Kommunen ist konstant, das Fahrzeug ist ohne Container universell einsetzbar, und im Export – Osteuropa, Nahost, Nordafrika, Westafrika – werden auch 10 bis 15 Jahre alte Einheiten gesucht, sofern das Hakengerät funktioniert. Wertbestimmend sind Achszahl und Antrieb (8x4 und 6x4 vor 6x2), Hersteller und Hubkraft des Geräts, Kilometer und Betriebsstunden, Rahmenzustand, Abgasnorm und Prüfstatus. Welche Altersgrenzen in den Zielländern gelten, steht im Ratgeber Gebrauchte Lkw exportieren; wie ein Tieflader im Fuhrpark daneben bewertet wird, im entsprechenden Ratgeber. Eine konkrete Zahl für Ihr Fahrzeug liefert die kostenlose Bewertung auf Basis realer Verkäufe; danach bieten geprüfte Händler aus über 34 Ländern verbindlich – Abrollkipper verkaufen mit truckoo.
Der Abrollkipper zieht Container über einen Haken und Rollen längs auf den Rahmen, fasst 10 bis 40 m³ und läuft meist auf 3- und 4-Achsern. Der Absetzkipper hebt kleinere Mulden (3 bis 10 m³) mit zwei Teleskoparmen über das Heck und läuft meist auf 2-Achsern.
2-Achser rund 8 bis 10 t, 3-Achser 13 bis 15 t, 4-Achser 17 bis 20 t Nutzlast; die Hubkraft des Hakengeräts liegt je nach Klasse zwischen 8 und 26 t. Der genaue Wert steht in der Zulassungsbescheinigung.
Abrollcontainer nach DIN 30722 mit passender Hakenhöhe (meist 1.570 mm), Längen von 4,5 bis 7 m. Schiebehakengeräte nehmen unterschiedliche Längen auf; Fahrzeuge mit niedrigem Rahmen brauchen Container mit 1.320 oder 1.200 mm Hakenhöhe.
Klasse C, mit Anhänger CE; bis 7,5 t Gesamtgewicht reicht C1. Im gewerblichen Güterverkehr ist zusätzlich die Schlüsselzahl 95 nötig.
Ja, mindestens einmal jährlich durch eine befähigte Person nach den Unfallverhütungsvorschriften, dokumentiert im Prüfbuch – zusätzlich zur HU und SP des Fahrzeugs.
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