Ladeinfrastruktur für Elektro-Lkw im eigenen Depot: Ladeleistung je Fahrzeug richtig auslegen, Anschlussleistung und Gleichzeitigkeit, Kosten für Ladepunkte, Tiefbau, Trafo und Baukostenzuschuss – plus die Reihenfolge, in der geplant wird.
Der Elektro-Lkw ist die eine Hälfte der Investition. Die andere steht im Hof – und ohne sie fährt das Fahrzeug nicht. Wer 2026 über E-Lkw nachdenkt, scheitert selten am Fahrzeug und häufig am Netzanschluss: Die Wartezeit beim Netzbetreiber ist länger als die Lieferzeit des Lkw. Wie ein Depot-Ladepark ausgelegt wird, was die Posten kosten und in welcher Reihenfolge entschieden werden muss.
Die Nachtladung braucht keine Megawatt. Ein Fahrzeug, das mit 350 Tageskilometern zurückkommt, muss rund 400 kWh nachladen. Über neun Stunden Standzeit bei realistischem Wirkungsgrad reichen dafür 50 kW je Ladepunkt. Erst wenn die Standzeit auf vier Stunden sinkt, werden daraus 110 kW.
Die Rechnung lautet also nicht „maximale Ladeleistung“, sondern Tagesverbrauch geteilt durch Standzeit. Jeder Schritt darüber hinaus kostet doppelt: einmal im Ladepunkt, einmal im Netzanschluss. Megawattladen am eigenen Depot brauchen praktisch nur Betriebe mit Zwei- oder Dreischichtbetrieb ohne durchgehende Nachtstandzeit.
Die Anschlussleistung ist die Summe der Ladepunkte mal einem Gleichzeitigkeitsfaktor – typischerweise 0,7 ab drei Fahrzeugen, weil nicht alle gleichzeitig mit voller Leistung laden. Fünf Fahrzeuge mit je 50 kW ergeben so rund 180 kW statt 250 kW.
Das ist mehr als eine Rechenfeinheit, denn bei etwa 250 kW verläuft die teuerste Grenze des ganzen Projekts: Darunter reicht der Niederspannungsanschluss, darüber wird ein eigener Trafo in Mittelspannung fällig. Wer mit einem Lastmanagement unter dieser Schwelle bleibt, spart einen sechsstelligen Betrag.
Die Kosten je Lkw sinken nicht einfach mit der Flottengröße, sie springen. Ursache ist die Trafoschwelle:
Wer also mit fünf Fahrzeugen startet und später auf zwanzig gehen will, sollte den Trafo gleich groß genug bestellen und die Leerrohre für die späteren Ladepunkte gleich mitverlegen. Nachträglicher Tiefbau auf einem laufenden Hof ist teurer als vorsorglich verlegte Rohre. Der Depot-Invest-Rechner rechnet die eigene Flottengröße durch – Anschlussleistung, Zahl und Größe der Ladepunkte, Investition gesamt und je Fahrzeug.
Die Wartezeit für einen neuen Mittelspannungsanschluss liegt bei sechs bis achtzehn Monaten. Der Lkw ist in der Regel schneller da. Deshalb gilt die Reihenfolge: erst die Anfrage beim Netzbetreiber, dann die Fahrzeugbestellung – nicht umgekehrt.
Die Anfrage braucht drei Angaben: gewünschte Leistung in kW, Standort und Zeitpunkt. Wer die Leistung zu diesem Zeitpunkt noch nicht genau kennt, fragt lieber etwas großzügiger an – nach unten korrigieren ist einfacher als nachbeantragen.
Bei 120.000 Kilometern im Jahr und rund 115 kWh je 100 km verbraucht ein E-Lkw etwa 138.000 kWh pro Jahr. Jeder Cent Unterschied im Arbeitspreis macht damit rund 1.400 Euro pro Fahrzeug und Jahr aus – über fünf Jahre und zehn Fahrzeuge sind das 70.000 Euro.
Die Bandbreite in der Praxis: Gewerbetarif rund 24 ct/kWh, Festpreis-Liefervertrag rund 19 ct, dynamischer Tarif mit Lastmanagement rund 15 ct, PV-Eigenstrom mit Speicher rund 11 ct. Der subventionierte Industriestrompreis gilt nur für berechtigte energieintensive Unternehmen – Transportunternehmen fallen in der Regel nicht darunter.
Praktische Folge: Der Liefervertrag gehört verhandelt, bevor die Fahrzeuge bestellt werden. Und er gehört mit Zeitfenstern verhandelt, denn die Lastspitze bestimmt den Leistungspreis – ein Lastmanagement, das die Ladung über die Nacht verteilt, senkt beides.
Nicht jeder Standort lässt sich sinnvoll aufrüsten – Mietfläche, denkmalgeschützte Bebauung, ein Netz ohne Reserve. Dann bleiben drei Wege: öffentliches Laden auf der Strecke (rund doppelt so teuer je kWh), Partnerdepots bei Verladern oder Logistiknetzwerken, oder der E-Auflieger als Zwischenschritt, der mit deutlich kleineren Leistungen auskommt und hinter einer Diesel-Zugmaschine im Schnitt 40 Prozent Kraftstoff spart.
Welcher dieser Wege zum eigenen Einsatzprofil passt, ordnet der Profil-Check ein; was unter dem Strich herauskommt, rechnet der TCO-Rechner inklusive Ladeinfrastruktur, Maut und Restwert durch.
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Tagesverbrauch geteilt durch Standzeit. Ein Fahrzeug mit 350 km Tagesstrecke muss rund 400 kWh nachladen; über neun Stunden Nachtstandzeit reichen dafür etwa 50 kW, bei vier Stunden werden 110 kW daraus. Höhere Leistungen kosten doppelt – im Ladepunkt und im Netzanschluss.
Netto und inklusive Montage rund 25 T€ für 50 kW, 35 T€ für 100 kW, 55 T€ für 200 kW und 95 T€ für 400 kW; MCS beginnt bei rund 250 T€. Hinzu kommen 10 bis 25 T€ Tiefbau je Ladepunkt.
Ab etwa 250 kW Anschlussleistung endet die Niederspannung und es wird ein Mittelspannungsanschluss mit eigener Trafostation fällig – 630 kVA rund 110 T€, 1 MVA rund 160 T€. Ein Lastmanagement senkt die nötige Anschlussleistung um rund 30 Prozent und kann diese Schwelle vermeiden.
Sechs bis achtzehn Monate für einen Mittelspannungsanschluss. Das ist regelmäßig länger als die Lieferzeit des Fahrzeugs, weshalb die Netzanfrage vor der Fahrzeugbestellung gestellt werden sollte.
Alles eingerechnet etwa 75 T€ bei zwei Fahrzeugen, 95 T€ bei fünf, 85 T€ bei zehn und 75 T€ bei zwanzig. Der Sprung bei fünf Fahrzeugen entsteht, weil ab dieser Größe eine Trafostation nötig wird, die sich auf wenige Fahrzeuge verteilt.
Ein Beitrag an den Netzbetreiber für den Ausbau des vorgelagerten Netzes, kalkulatorisch rund 100 Euro je kW Anschlussleistung. Bei 500 kW sind das rund 50.000 Euro, die zusätzlich zu Ladepunkten, Tiefbau und Trafo anfallen.
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