Kühlauflieger und Kühlkoffer im Überblick: Bauarten, Isolierung und K-Wert, ATP-Klassen FNA bis FRC, Gültigkeit der Bescheinigung, Aggregate und Gebrauchtkauf.
Ein Kühlauflieger transportiert, was Temperatur braucht: Frischware, Tiefkühlkost, Fleisch, Arzneimittel. Über den Wert entscheidet nicht die Nutzlast, sondern die Dämmung, das Kälteaggregat und ein Stück Papier: die ATP-Bescheinigung. Welche Bauarten es gibt, was die Klassenbuchstaben bedeuten, welche Aggregate verbaut werden und worauf beim Kauf und Verkauf zu achten ist.
Der Kühlauflieger ist ein Sattelauflieger mit wärmegedämmtem Kofferaufbau und fest eingebauter Kältemaschine an der Stirnwand. Der Aufbau besteht aus Sandwichpaneelen: zwei Deckschichten, dazwischen ein geschäumter Kern. Schmitz Cargobull nutzt beim S.KO COOL Ferroplast-Paneele in selbsttragender Bauweise, Krone beim Cool Liner eine wärmebrückenfreie Bauweise mit beidseitiger Stahldeckschicht und FCKW-freiem Schaum.
Die Dämmung kostet Raum und Gewicht. Krone gibt für einen Cool Liner in Doppelstockausführung 13.310 mm Innenlänge und 2.630 mm Innenhöhe an, bei 39.000 kg zulässigem Gesamtgewicht und rund 7.840 kg Eigengewicht – bleiben etwa 31.160 kg Nutzlast, vergleichbar mit anderen Sattelauflieger-Arten.
Die Standardlösung im Fernverkehr: größtes Volumen, höchste Nutzlast, gezogen von einer Sattelzugmaschine. Das Aggregat arbeitet unabhängig vom Zugfahrzeug mit eigenem Dieselmotor und Tank, bei Krone rund 240 Liter.
Ein fester Kofferaufbau auf einem Fahrgestell, typisch für den Verteilerverkehr. Spier baut solche Aufbauten für Fahrzeuge von 3,5 bis 26 t und gibt Wandstärken bis 100 mm an Wänden und Dach an, ausgelegt auf konstante −18 °C.
Motorwagen plus Kühlanhänger, häufig als Durchladezug; Spier führt Aufbauten für Anhänger und Durchladezüge im Programm. Mehr Volumen als beim Solofahrzeug, dafür zwei Aufbauten und oft zwei Kältekreise.
Kastenwagen mit Isolierschale oder Kofferaufbau auf Transporter-Fahrgestell. Die Reserven sind klein: Ein Datenblatt für einen 3,5-t-Kastenwagen nennt 8,6 m³ Laderaum, vier Europaletten, −20 bis +30 °C, ATP-Klasse FRCX und etwa 725 kg Nutzlast.
Die Dämmleistung wird über den Wärmedurchgangskoeffizienten beschrieben, im ATP als K-Wert in W/(m²·K). Das ATP kennt zwei Stufen: normal isolierte Beförderungsmittel mit höchstens 0,7 W/(m²·K) und stark isolierte mit höchstens 0,4 W/(m²·K); die Prüfstelle DNV grenzt „normal“ als Bereich über 0,4 bis einschließlich 0,7 ab. Kögel nennt für den Cool – PurFerro quality Sandwichelemente mit 0,6 mm Stahldeckschicht und Polyurethan-Kern. Dringt Feuchtigkeit in den Schaumkern, steigt der K-Wert und der Aufbau verliert seine Klasse – deshalb schreibt das ATP eine Wiederholungsprüfung vor.
Das ATP ist das internationale Übereinkommen über Beförderungen leicht verderblicher Lebensmittel, 1970 in Genf unter Federführung der UNECE geschlossen. Es regelt nach Darstellung des TÜV SÜD die Einteilung in Klassen, die Anforderungen an Wärmedämmung und Kühleinrichtungen, die Messmethoden und die Transporttemperaturen je Lebensmittel. Die aktuelle Fassung gilt seit dem 1. Juni 2022.
Die erste Stelle steht für die Kälteerzeugung: F für eingebaute Kältemaschine, R für eingebauten Kältespeicher. Die zweite für die Dämmung: N normal, R verstärkt isoliert. Die dritte ist die Temperaturklasse. Ein X kommt hinzu, wenn der Verdichter vom Fahrzeugmotor angetrieben wird oder die Kältemaschine abnehmbar ist – deshalb tragen viele Kühltransporter FRCX statt FRC.
Geprüft wird bei einer mittleren Außentemperatur von +30 °C. Bei einstellbarer Temperatur gilt:
Daneben gibt es Klassen mit fester Temperatur: Klasse D hält höchstens +2 °C, Klasse E höchstens −10 °C, Klasse F höchstens −20 °C. In der Praxis dominiert FRC: Der TÜV SÜD bezeichnet sie als häufigste Klasse, mit der leicht verderbliche Lebensmittel im Sinne des ATP uneingeschränkt befördert werden können. FNA reicht für Frischdienst, nicht für Tiefkühlung.
Die Bescheinigung gilt für ein konkretes Fahrzeug aus Aufbau, Isolierung und Kältemaschine, nicht für eine Baureihe. In Deutschland erfolgt die Neuausstellung ausschließlich durch die ATP-Prüfstelle, den TÜV SÜD Industrie Service. Für Neufahrzeuge gilt sie sechs Jahre ab dem Herstellungsdatum des wärmegedämmten Aufbaus.
Danach greift die Wiederholungsprüfung: spätestens sechs Jahre nach Inbetriebnahme, anschließend höchstens alle drei Jahre. Geprüft werden Aufbau und Aggregat gemeinsam – Sichtprüfung der Isolierung und eine Kälteleistungsmessung, bei der das Aggregat den leeren Innenraum in sechs Stunden auf die Klassentemperatur absenken muss. Besteht es, gilt die Bescheinigung weitere drei Jahre; sonst ist eine Herabstufung möglich. Das Dokument ist mitzuführen, die Klasse steht außen am Fahrzeug in dunkelblauen Buchstaben auf weißem Grund.
Die Pflicht trifft nach Darstellung einer ATP-Werkstatt in Deutschland zugelassene Kühlfahrzeuge im internationalen Verkehr sowie ausländische Fahrzeuge mit gekühlter Ware nach Deutschland.
Beim Motorwagen und beim Transporter treibt oft der Fahrzeugmotor mit: Bei der V-Serie von Thermo King für Laderäume von 5 bis 54 m³ entfällt der eigene Dieselmotor, entsprechend niedriger liegen die Leistungen – 2.080 W bei 0 °C für das V-100 MAX, 7.790 W für das V-800 MAX. Frigoblock nutzt einen Drehstromgenerator am Fahrzeugmotor mit Inverter; bei Trailern speichert AxlePower mit der BPW-ePower-Achse Energie aus Rollen und Bremsen.
Wer Frische und Tiefkühlware in einer Tour fährt, braucht Kammern. Krone bietet den Cool Liner Multitemp mit bis zu drei regelbaren Kammern; die Trennwand ist über die gesamte Aufbaulänge verschiebbar und selbst ATP-zertifiziert, dazu kommt ein Zusatzverdampfer am Heckportal. Spier gibt bis zu Vierkammertechnik an.
Doppelstockbeladung schafft Plätze für nicht stapelbare Ware: Krone nennt 33 zusätzliche Europaletten in der zweiten Ebene, über 22 Alu-Ladebalken in zwölf Paar höhenverstellbaren Führungsschienen; Lamberet gibt für die SR2-Reihe 33 Paletten auf einer und 66 auf zwei Ebenen an. Krone liefert dazu einen flexiblen Deckenluftkanal für Doppelstock und Quertrennwand.
Schmitz Cargobull baut den S.KO COOL und fertigt die eigenen S.CU-Kältemaschinen. Krone führt den Cool Liner als Standard-, Doppelstock-, Multitemp- und Meathang-Variante für Fleischtransporte, Kögel den Cool – PurFerro quality. Aus Frankreich kommen Lamberet mit der SR2-Familie, darunter SR2 Heavy Duty und SR2 Super Beef, sowie Chereau.
Ohne gültige ATP-Bescheinigung darf das Fahrzeug im internationalen Verkehr keine leicht verderblichen Lebensmittel befördern. Der Käufer muss die Wiederholungsprüfung nachholen – mit offenem Ausgang. Geprüft wird auch die Dämmung: Hat der Aufbau Feuchtigkeit gezogen, reicht es womöglich nur für eine niedrigere Klasse, und aus einem FRC wird ein Fahrzeug ohne Tiefkühlzulassung. Eine frisch verlängerte Bescheinigung ist dagegen ein prüfbares Verkaufsargument.
Kühlauflieger sind langlebiger, als ihr Ruf vermuten lässt. BPW nennt zwölf Jahre als üblichen Nutzungsrahmen; in einem Aufarbeitungsprogramm bestanden Chereau-Aufbauten mit Vakuum-Isolationspaneelen auch nach zwölf Jahren die ATP-FRC-Prüfung, das Aggregat wurde für sechs weitere Jahre freigegeben. Diese zweite Phase trägt den Gebrauchtmarkt – im Inland wie im Export gebrauchter Nutzfahrzeuge, wo Altersgrenzen und Einfuhrregeln mitentscheiden.
Den Preis bestimmen vier Größen: ATP-Klasse und Restlaufzeit, Betriebsstunden und Zustand des Aggregats, Zustand von Paneelen und Türen sowie die Ausstattung mit Doppelstock und Mehrkammertechnik. Eine konkrete Zahl für Ihr Fahrzeug liefert die kostenlose Bewertung auf Basis realer Verkäufe; danach bieten geprüfte Händler aus über 34 Ländern verbindlich – Auflieger und Anhänger verkaufen mit truckoo.
F steht für eine eingebaute Kältemaschine, R für verstärkte Wärmedämmung mit höchstens 0,4 W/(m²·K), C für eine Temperaturklasse zwischen +12 °C und −20 °C. Der TÜV SÜD führt FRC als häufigste Klasse.
Bei Neufahrzeugen sechs Jahre ab dem Herstellungsdatum des wärmegedämmten Aufbaus; danach verlängert eine Wiederholungsprüfung die Gültigkeit um jeweils höchstens drei Jahre.
Aufbau und Kälteanlage gemeinsam: Sichtprüfung der Isolierung sowie eine Kälteleistungsmessung, bei der das Aggregat den leeren Innenraum in sechs Stunden auf die Klassentemperatur absenken muss.
Der Kühlauflieger ist ein Sattelauflieger mit eigenem, dieselbetriebenem Aggregat. Der Kühlkoffer ist ein fester Aufbau auf Motorwagen oder Anhänger; sein Aggregat läuft oft über den Fahrzeugmotor oder einen Generator.
Schmitz Cargobull nennt für den S.KO COOL je nach Länge 33, 36 oder 41 Europaletten; mit Doppelstock kommen bei Krone 33 Plätze in der zweiten Ebene hinzu.
An den Betriebsstunden: Sie sagen über den Zustand mehr aus als das Baujahr, weil ein Aggregat auch im Stand an der Rampe läuft.
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